Vom Traum in Griechenland dem Sonnenaufgang entgegen zu rudern!

Niko Papadopoulos kam Anfang des Jahres 2019 mit einer ungewöhnlichen Anfrage auf den Marbacher Ruderverein zu: "Ich möchte im Juni 2019 in Griechenland dem Sonnenaufgang im Einer entgegen rudern!" Unsere erste Frage: "Niko, wie oft bist du schon in einem Boot gesessen?" Niko: "Noch nie!" Seine Entschlossenheit für diesen Traum zu kämpfen, seine positive Ausstrahlung und die Freude an den Trainingseinheiten, haben uns beeindruckt. Unsere MRV Ausbilderin Karolin Keßler war immer mit dabei und gemeinsam arbeiteten sie erfolgreich daran den Traum von Niko zu verwirklichen.


Niko und Karo beim Einertraining - dem Sonnenaufgang ein Stück näher kommen!

Hallo Niko, würdest Du dich am Anfang unseren Lesern kurz vorstellen?

Hallo Heike! Mein Name ist Niko Papadopoulos, 35 Jahre alt und komme aus Schwaikheim. Ich bin Vater von 3 Kindern und verheiratet. Oft habe ich das Gefühl im Hauptberuf Papa zu sein und nur nebenberuflich Inhaber einer Plattenfirma/Managementfirma namens Chimperator Productions GmbH & Co KG mit Sitz in Stuttgart und Berlin. Ich bin dort hauptsächlich für die Finanzen, Controlling, Vertrieb und Musikproduktionen zuständig.


Niko, beruflich bist du erfolgreich und daher auch stark eingespannt und viel unterwegs. Wie bist Du auf die Idee gekommen Rudern zu lernen? Ich war eigentlich schon immer sportlich viel aktiv, allerdings ohne großen Leistungsanspruch und hauptsächlich als Ausgleich zum Studium/Arbeit. Thaiboxen, Tischtennis und diverse Ausdauersportarten haben mich bis vor ein paar Jahren täglich begleitet. Leider ging es relativ früh mit Sportverletzungen los. Durch den Kampfsport habe ich mich an der Schulter verletzt, woraufhin ich fast täglich mit Schulterluxationen zu kämpfen hatte. Auch eine Operation und intensive Physiotherapie konnte da nur bedingt helfen. Also fing ich an intensiv zu joggen. In der Vorbereitung eines Marathons bekam ich dann das klassische Läuferknie, welches mich tatsächlich bis heute begleitet. Letztes Jahr kam dann noch ein Bandscheibenvorfall dazu. Ich war also auf der Suche nach eine Sportart, die ich mit meinen Verletzungen, ohne Schmerzen, und wenn möglich mit viel Freude ausüben konnte.

Der Rudersport hatte schon immer eine Faszination auf mich ausgeübt. Ich kann gar nicht genau sagen warum. Weder in meiner Familie noch im Freundeskreis gibt es jemanden, der den Sport betreibt. Es gab überhaupt keine Anknüpfungspunkte. Ich spielte 1-2 Jahre mit dem Gedanken und habe mich dann dieses Jahr entschlossen das Thema in Angriff zu nehmen. Ich recherchierte im Internet und stieß relativ schnell auf den Marbacher Ruderverein. Ich schrieb eine Email und bekam auch direkt eine Antwort. Ein paar Tage später saß ich mit Karo Kessler (meiner tollen Trainerin) im Zweier-Ruderboot. Ich war richtig aufgeregt.

Innerhalb weniger Wochen hast Du das Rudern gelernt und vor ein paar Tagen sogar die Einer-Prüfung abgelegt - welche sportlichen Voraussetzungen bringst du mit? Dies ist ja eher ungewöhnlich! 


Ich denke essenziell ist die Freude am Lernen neuer Bewegungsabläufe. Es ist schon was anders. Außerdem sollte man etwas Geduld mitbringen, weil man nicht (wie ich auch gedacht hatte) einfach ins Boot steigt und freudig darauf losrudern kann. Man muss die Technik erlernen, im Gehirn neue Gleichgewichts-Netzwerke bilden und natürlich ist es auch eine mentale Herausforderung. Ich konnte mir Schöneres vorstellen, als im Frühjahr im Neckar baden zu gehen.  (Achtung Spoiler: mich hat es dann doch erwischt und es war nicht schlimm. Im Gegenteil, seitdem rudere ich wesentlich befreiter) Es ist schon was ganz anderes und man hat wenig Transferleistung aus anderen Sportarten. In meiner Kindheit hatte ich Leistungsturnen betrieben. Ich vermute, dass der dort entwickelte Gleichgewichtssinn mir in die Karten gespielt hat. Welches war Deine größte Herausforderung beim Rudern lernen, was hat am meisten Spaß gemacht? Die mentale Herausforderung war größer als ich gedacht hatte. Nach der ersten Stunden hatte ich das Gefühl eine Matheklausur an der Uni geschrieben zu haben. So erschöpft habe ich mich gefühlt. Das Zusammenspiel von permanenter Konzentration und körperlicher Anstrengung ist schon enorm (zumindest für mich). Nach und nach verschiebt sich das Ganze aber mehr in Richtung körperlicher Anstrengung, wobei man immer konzentriert bleiben muss. Es fällt mit der Zeit aber leichter. Im Endeffekt hat mich genau das aber auch von Anfang an so fasziniert. Man muss im Moment sein, hat vom Wasser aus eine andere Sichtweise und das Gefühl von der Welt und Alltag ein wenig entkoppelt zu sein. Du merkst, der Rudersport hat es mir angetan! Inzwischen bist Du Mitglied im Marbacher Ruderverein - aber der Neckar soll nicht dein einziges Ruderrevier sein! Erzähle uns von Deinen Plänen! Mich verfolgt schon länger die romantische Vorstellung in Griechenland im Mittelmeer dem Sonnenaufgang entgegen zu rudern. Unseren jährlichen Sommerurlaub verbringen wir regelmäßig auf dem mittleren Finger von Chalkidiki. Wir haben einen wahnsinnigen Blick auf den Berg Athos. Wenn morgens zwischen 5 und 6 Uhr die Sonne aufgeht, ist das für mich jedes Mal ein unglaubliches Ereignis. In diesem Moment auf dem Wasser zu sein, sich mit der Kraft des Meeres zu bewegen und eins mit der Natur zu sein, ist ein irres Bild für mich.   Den Tag so zu beginnen stelle ich mir toll vor. Sonnenuntergänge dagegen machen mich immer etwas melancholisch. Daher bleibt diese Zeit dem Angeln auf dem Meer vorbehalten.


Jochen Heusel und eines seiner Lite-Boote - Niko kommt seinem Traum wieder ein Stück näher!

Vor 3 Wochen kam ich dem Plan dann einen Schritt näher. Ich habe mir in Tübingen ein speziell für das Meer entwickeltes Ruderboot gekauft. Die Anforderungen an das Boot sind andere als an ein „normales“ Sportruderboot. Sie sind breiter, kürzer und weisen eine höhere Stabilität auf. Kentern ist im Prinzip unmöglich. Außerdem passt das Boot auf mein Autodach und ist daher ohne Probleme transportierbar. Diesen Sommer ist es dann so weit und ich freu mich riesig darauf.


Wenn Du Rudern als Gefühl beschreiben würdest, was fällt Dir dazu ein! Flow! Herzlichen Dank Niko für das Interview - wir freuen uns auf Deinen Bericht aus Griechenland! Einen wunderschönen, erholsamen Urlaub mit Deiner Familie und viel Freude beim Rudern in den Sonnenaufgang!  Vielen Dank für das Interview!

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© 2019 by Heike Breitenbücher

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