Nach dem Grundkurs - ab in den Einer?

Im vorletzten Blog hatten wir die Frage gestellt: "Wie geht es nach der Anfänger-Ausbildung weiter?"

Teilnehmer, die bei Euch rudern gelernt haben, werden sich nicht alle auf den gleichen Weg machen. Beim Marbacher Ruderverein haben wir beim Gesundheitsrudern verschiedene Erfahrungen gemacht:



Kentern bei der Einer-Prüfung und Wiedereinstiegen - besser geht es nicht!

1. Sportart wechseln: Wahrscheinlich habt Ihr gar nichts in der Ausbildung falsch gemacht. Manche Menschen wollten schon immer Rudern, Fallschirmspringen, Golfen, Tauchen, Segeln oder was auch immer ausprobieren. Sie hatten Freude am Kurs, nehmen dies als gute Erinnerung mit und können Werbeträger für unsere Sportart bleiben. Sie erzählen ihren Arbeitskollegen und Freunden von der tollen Erfahrung und sorgen für weitere Interessenten für unsere Kurse.



2. Rudern zu komplex: Das passiert gar nicht so oft, obwohl Rudern eine koordinativ anspruchsvolle Sportart ist. Wichtig ist es am Anfang zu betonen, dass jeder Neuling sich mit dem Bewegungsablauf schwer tut und man vor der dritten Stunde einfach nicht drüber nachdenken sollte, sondern einfach Spaß haben darf, etwas neues zu lernen. Dennoch werdet Ihr mit der Zeit einige Teilnehmer haben, die nach den ersten Stunden kapitulieren. Vielleicht hatten sie ein normales Ruderboot auf dem See im Kopf (wir nennen das Monrepos Rudern / See beim Monrepos Schlösschen in Ludwigsburg).



3. Rudern als Gruppenerlebnis/soziale Einbindung: Nach dem Grundkurs schließen sich die Teilnehmer an eine betreute Rudergruppe an. Die Technik wird im Laufe der Zeit verbessert. Der Schwerpunkt liegt auf Natur und Gemeinsamkeit. Ich empfehle hier die Steuerprüfung (siehe Blog "Kein Anschluss unter dieser Nummer". So können sich mehrere Ruderer mit dieser Einstellung zusammenschließen und auch zu anderen Zeiten mit einer Gig aufs Wasser gehen. Dennoch ist für einige Teilnehmer das Rudern in einer betreuten Gruppe angenehmer, da alle in Mannschaftsbooten gesetzt werden und keiner am Steg übrig bleibt.



4. Ambitioniertes Rudern: Diese Teilnehmer machen in der Regel die Steuerprüfung und fragen schon bald, wie man denn in diese schmalen Boote kommt. Da steckt oftmals der Wunsch dahinter in einem Einer mannschafts- und terminunabhängig aufs Wasser zu gehen. Sie möchten durch Rudern ihre Ausdauerleistung verbessern, viele Kilometer abspulen, evtl. sich in Richtung Master/Wettkampf-Rudern entwickeln.

Nun folgt die Einer-Ausbildung und die Vorbereitung zur Ruderprüfung!



Einer-Ausbildung


Auf einem fließenden Gewässer, wie hier in Marbach auf dem Neckar, empfinde ich die Einer-Ausbildung als anspruchsvoll. Ich kann nicht einfach 4 Personen in Skiffs setzen und sie vom Steg schubsen. Strömung und vor allem der Schiffsverkehr machen das Risiko zu groß.

Die Einer-Ausbildung muss daher sehr individuell gestaltet sein.

- Art des Gewässers (fließend, Wellen, Strömungen, ruhiger See) / Ruderrevier

- Schiffsverkehr

- Physische Voraussetzungen des Ruderers (Koordinationfähigkeit, Kraft, Ausdauer)

- Psychische Voraussetzungen des Ruderers (Angst, Selbstüberschätzung, mangelndes Selbstbewusstsein, Leistungsdruck....)


Im Gegensatz zu der Einer-Ausbildung für Kinder und Jugendliche bedarf es im Erwachsenenbereich eine 1:1 Betreuung. Ich beginne sehr gerne in einem etwas breiteren Para-Zweier, sitze im Bug und korrigiere unter leichter Instabilität die Ruderbewegung.

Der nächste Schritt ist der schmale Renndoppelzweier. Gleiche Situation, ich sitze im Bug und das ganze wird wieder etwas instabiler und wackeliger.

Erst wenn hier ein Sicherheitsgefühl eingetreten ist, geht der Schritt in den Renn-Einer. Wenn ein Verein noch einen Para-Einer oder einen Trimmi in der Bootshalle liegen hat: Perfekt! Wenn nicht, dann wird es jetzt halt etwas spannender. Da für mich Kentern zum Lernprozess dazu gehört, kommt für das Einer-Training nur die warme Jahreszeit in Betracht. Wahrscheinlich wird oft kein Begleit-Motorboot im Breitensport zur Verfügung stehen: schade! Aber dann sollte der Ausbilder im Einer in absoluter Nähe bleiben. Kommt es zum Kentern muss der Ausbilder einen Plan haben, wie er mit ruhigen Worten dem Einer-Anfänger wieder ins Boot hilft oder ob das Boot in Richtung Ufer geschoben wird, um dort wieder einzusteigen.


Wir haben uns mit der Ruderprüfung an die Sommertalentiade der baden-württembergischen Ruderjugend angelehnt. Die Übungen mit Wenden, Streichen, Rudern, evtl. im Boot aufstehen, haben uns gefallen. Neben den unten aufgeführten Punkten, gehört das Treffen einer Bade-Ente und das anschließende Retten der Ente zu den Standard-Aufgaben.


Bei der letzten Prüfung in diesem Jahr hatte ich den Fall, dass der Prüfling kenterte. Im Prüfungsfieber versuchte er sich erfolgreich am Wieder-Einsteigen (unter Beobachtung und Applaus der kompletten Kinder-Rudergruppe). Für mich war das ein klares "Bestanden"! Besser geht gar nicht! Daher findet ihr in der Bestätigung unten auch die Rubrik "Wieder-Einsteigen". Das gehört nicht standardmäßig zum Repertoire.



Wie macht Ihr das in Eurem Verein und welche Erfahrungen könnt Ihr uns mitteilen? Ich freue mich auf Anregungen und Ideen!

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