MRV Squad - Tag 83 - 09.06. - 8:00 Uhr in Marbach

Liebe Ruderer,


nach dem Aufstehen blättere ich in der Regel durch zwei abonnierte Tageszeitungen. Ich lese das, was mir am wichtigsten erscheint im vorderen Teil, danach schaue ich was in Marbach und Umgebung los ist. Das steht in der MZ im letzten Buch, in der LKZ im zweiten Buch - ich finde es blind. Die letzten Jahre stellen immer mehr regionale und überregionale Zeitungen Teile ihrer Ausgaben und bestimmte Artikel online, so dass man meist am Abend schon digital eine ganze Menge an Stoff für den nächsten Tag zum Nachdenken in die Nacht nehmen kann. Geht es Euch auch so? Viele Lebensberater haben nun viele tolle Tipps zum digitalen Fasten, aber geht das auch wirklich so einfach? Mir fällt es sehr schwer und es stört mich, dass es mir so schwer fällt. Ich könnte Euch jetzt etwas von Verantwortung gegenüber neuen Corona-Verordnungen erzählen, die ja digital kommen und die ich nicht verpassen möchte. Ich könnte Euch den Grund nennen, dass ich gesamtpolitisch und kommunalpolitisch auf dem neusten Stand sein muss. Aber muss ich das wirklich? Muss ich auch immer erreichbar sein? So wichtig bin ich nun auch wieder nicht oder möchte ich dadurch wichtig sein?


Geht es manchen von Euch ähnlich wie mir? Vor einiger Zeit noch blieb das Mobiltelefon beim Radfahren und beim Laufen zu Hause - es baumelte eh irgendwie blöd in der Hosentasche herum und störte. Ja, aber wenn mir unterwegs was passiert und ich Hilfe holen muss? Ich allein, so ganz ohne Kontakt zur Zivilisation zwischen Marbach und Murr und den unendlichen Weiten unterwegs? Geht gar nicht! Okay, ich wurde von keinem Wolf angefallen und von keinem Bären gefressen - die Erfahrung hätte mir eröffnen können: das Telefon kann getrost zu Hause bleiben!


Jetzt ist es aber so, dass ich nach dem Laufen doch wissen möchte, wo ich gelaufen bin - es also zur mentalen Nachbearbeitung dokumentieren muss. Oder muss ich wie Hänsel und Gretel irgendwie zu meiner Rettung Spuren hinterlassen? Statt Brotkrumen sind es nun halt digitale Spuren? Dann kann ich zu Hause zeigen, dass ich mich auch heute nicht verlaufen habe - bin schon ein echtes Käpsele (schwäbisch für absolutes Genie!)! Alles wäre ja nicht so dramatisch, aber schon hat sich das Mobiltelefon wieder in meine digitale Fastenzeit geschmuggelt.


Letzte Woche ist die letzte Bastion meiner Handy-Freiheit gefallen: ich erwartete einen möglichen Frage-Anruf und hatte deshalb mein Handy in eine Tüte gestopft und aufs Boot mitgenommen. Meine absolute Tabu-Zone! Eigentlich! Und ich muss Euch sagen: es war schrecklich! Natürlich hat mich derjenige nicht angerufen, warum sollte er auch? Er ist nämlich alt genug, um sämtliche Fragestellungen auch ohne mich zu lösen. Aber was ist passiert? Ich habe natürlich beim Ablegen, Pause machen, Anlegen schon wieder auf das Ding geschaut!


Ich mache es nicht mehr! Meinen Ruderern erzähle ich immer so gerne, dass man beim Rudern nicht die Probleme dieser Welt lösen kann und soll. Und was mach ich: genau das Gegenteil! Ich brauche auch keine Uhr, die meinen Weg auf dem Wasser aufzeichnet - das kann ich zur Not selbst - auf einem Malblock - wenn es sein muss, sogar mit den vier neuen Bojen! Die Frage, ob ich schnell war, stellt sich bei mir nicht, das ist bei den Rennruderer vielleicht anders. Und wenn doch jemand unerwartet nach meiner Geschwindigkeit fragen sollte: die war wie immer saumäßig (schnell)!


Mit Handy und Erreichbarkeit fällt bei mir der Faktor Entspannung sprichwörtlich ins Wasser! Mir geht es nicht darum, irgendetwas zu verteufeln, das ich ja selbst gerne nutze. Ich mache Videos, Fotos und bin auch gerne erreichbar. Es geht nur um die gelegentlichen Oasen für die Seele!



Training für heute:


1 Stunde Laufen - mit analoger Uhr


2 Stunden Rad fahren - mit Radkarte aus Papier


1 Stunde Rudern - zur Orientierung: da, wo das Wasser hinfließt, da kommt der Rhein irgendwann. Wenn Ihr wieder nach Hause möchtet, müsst Ihr gegen die Strömung rudern!


Ihr schafft das! Wir schaffen das! Ich schaffe das hoffentlich auch! Wir halten zusammen!


Euch allen einen wunderschönen Tag!


Liebe Grüße


Heike




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© 2019 by Heike Breitenbücher

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