MRV Squad - Tag 66 - 23.05. - 8:00 Uhr in Marbach

Liebe Ruderer,


heute brauche ich mal Euer offenes Ohr, Euer Mitgefühl oder vielleicht auch einfach nur ein paar Minuten Eurer Zeit! Ich möchte Euch ein paar Dinge aus dem Alltag einer Trainerin erzählen. Nein, eigentlich möchte ich Euch nur von meinem Tag gestern erzählen und von meinem Frust. Und da ich weiß, dass Frust total doof ist, erzähle ich es Euch - dann ist es draußen - und dann ist die Welt auch wieder gut!

Wenn die Ruderer zum ersten Mal in ungesteuerten Booten unterwegs sind, dann ist für mich das allerwichtigste, dass sie nahe am Ufer bleiben. Und auch später ist es die häufigste Ansage, die ich mache. Lebenswichtig! Überlebenswichtig! Auf dem Foto seht Ihr, dass doch einige Berufsschiffe unterwegs sind. Unsere Ruderer machen das in der Regel prima.


ALSO ALLES GUT? Naja - so nahe am Ufer sind derzeit sehr viele Angler. Diesen Anglern erkläre ich meist sehr liebenswürdig und freundlich, dass Ruderer nun mal nicht sehen, wenn ein Angler seine Angelschnur weit mittig im Neckar versenkt. Man könne aber durch ein kurzes Zurufen die Situation entschärfen und die Ruderer würden ausweichen. Die Antwort ist: "Nein! Die sollen doch in der Mitte bleiben!" Inzwischen weiß ich, dass eine Angelschnur 600 Euro kostet und ich dafür beim nächste Mal hafte! Außerdem wäre der andere Trainer sehr viel rücksichtsvoller! Welcher? Kurve doch gerade nur ich durch die Gegend! Vor dem Friseurbesuch? Egal! Gut!


ALSO ALLES GUT? Naja, in der Mitte will ich meine Ruderer ja auch nicht haben. Also fuhr ich gestern dicht hinter allen her und lotste sie im Slalom durch die Unwägbarkeiten des Neckars. Ich weiß, wo die Angler sitzen und ich schaue, ob ein Schiff kommt. Im Freiberger Hafen machen wir Startübungen. Ich sehe, dass ein Motorboot - so ein Sportboot - aus dem Kanal kommt. Wir warten höflich, winken es an unserer Startaufstellung vorbei.....


ALSO ALLES GUT? Nein, die zwei jungen Männer bedanken sich nicht, sondern klären mich wortgewaltig darüber auf, dass wir doch hier nicht liegen könnten, dies wäre schließlich eine Schifffahrtsstraße! Aha! Danke! Mein Kommentar: "Scho recht!" Alles andere darf ich ja in meiner Vorbildfunktion nicht sagen! Schad' drum!


ALSO ALLES GUT? Ich denke in meinem Katamaran so ein wenig über Menschen im allgemeinen nach und freue mich, dass ich meine angesammelten, nicht gesprochenen Worte bald noch durch eigenes Training abarbeiten darf - sozusagen als Eigen-Psychoanalyse im Einer. Meine Mit-Einer-Ruderer haben mir erzählt, dass sich vorgestern zwei Motorboote einen Spaß daraus gemacht haben, um die Ruderer ihre Kreise zu ziehen, bis es zu einer kleinen Dissonanz kam. Auch gestern war dann wieder ein Motorboot unterwegs, das aber zumindest die Geschwindigkeit reduziert hat. Im Benningen Hafen legte es an und rief mir zu, warum ich eigentlich so langsam wäre? Meine Antwort war klar: "Ich will Euch hier im Hafen nicht so viel Wellen machen!". Warum auch sonst? Ich und langsam? So ein Quatsch!


ALSO ALLES GUT? Nein, ich wurde nämlich melancholisch und stellte die große Frage nach dem Weltfrieden! Diese Stimmung ist nicht gut für mich! Situationen des letzten Jahres finden ihren Weg aus meiner tiefsten Seele! Wenn ich den Hänger zur Regatta ziehe, am Biergarten vorbei fahre und ein Fahrrad meinen Weg verengt, so frage ich den Besitzer (der daneben steht) ganz freundlich, ob er sein Rad etwas zu Seite stellen könne. Man erwartet nun ein: "Klar, kein Problem und gute Fahrt!" Und was kommt: "Soll ich mol zeige, wie mr do au romkommt, wenn mr fahre kennt?" Ja, geht's noch? Und das Fahrrad musste ich selbst auf die Seite stellen!


ALSO ALLES GUT? Nein! Ich werde noch nachdenklicher und grabe eine Geschichte aus dem allerdunkelsten Winkels meines Herzens aus. Da, wo die allerschwersten Fragen der Menschheitsgeschichte abgelegt sind! Wir sind mit zwei Hängern auf eine Regatta unterwegs. Ich vorne draus, Michi hinterher. Wir kamen genau 350m und oben an der Ausfahrt zur L1100 steht ein Fahrzeug (mit einem Stern) in der Kurve. Ich steige aus, erkläre dem Fahrer sehr freundlich, warum ich da mit dem Hänger nicht ums Eck komme. Wiederum mache ich wohl den Anschein, dass man mir das Autofahren erklären müsse! Ich kann ja auch freundlich zuhören, so ist das nicht! Aber da kommt Michi ums Eck, hat die Situation samt dem freundlichen Hilfs-Fahrlehrer noch nicht überblickt und ruft: "Welcher Volli.....t parkt hier eigentlich so dämlich in der Kurve!" Das hatte ich natürlich nur gedacht, hätte es aber niemals gesagt! Und was passiert: Der Klugsch..... er entschuldigt sich (bei Michi!!!!!!) und fährt sein Auto zur Seite!


Liebe Ruderer, was läuft hier eigentlich falsch? Warum darf ich nicht nett sein?


ALSO ALLES SCHLECHT? Nein! Es sind einfach nur ein paar Ausnahmen unter den Menschen! Die meisten sind ja echt nett! Und ich werde weiterhin die Angler grüßen, den Sportbootführern zuwinken und höflich fragen, ob jemand sein Fahrrad einen halben Meter zur Seite stellen möchte! Und wenn mir dann mal wieder jemand - ungefragt - die Welt erklären möchte, dann antworte ich pädagogisch wertvoll: "Scho recht!"

Das heißt aber nicht, dass es heute keine Trainingsinfo gibt. Das Wetter ist heute gut für die Natur, aber nicht unbedingt einladend für eine lange Outdoor-Trainingseinheit. Aber Ruderer sind nicht aus Seife!


Extensive Ausdauer - mittlere Belastung, höherer Umfang:

Ergometer: 3 x 21 Minuten.

- die ersten 6 min SZ 20

- 5 min SZ 22

- 4 min SZ 24

- 3 min SZ 26

- 2 min SZ 28

- 1 min SZ 30

danach 4 Minuten locker rudern und dann wieder von vorne - ingesamt 3 Durchgänge!

Laufen/Walken: 90 Minuten - nach Borg-Skala: mittlere Beanspruchung (noch miteinander reden)


Radfahren: 120-180 Minuten - auch hier mittlere Beanspruchung


Rudern: 90 Minuten oder 14-18 km

Es grüßt Euch eine inzwischen wieder völlig optimistische


Heike





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